Presse

Junge Kunst (Nr. 64, 10-12/05)

Kathrein Weinhold bietet Hilfe zum "Selbstmanagement im Kunstmarkt"

Karriere im Zeitalter des Starkults

Von Astrid Kehsler

"Aufmerksamkeit ist der Schlüssel zum Erfolg im 21.Jahrhundert." Mit diesem Satz beschreibt Galeristin und Dozentin Kathrein Weinhold den Zeitgeist im Kunstmarkt. Aufmerksamkeit zieht neue Aufmerksamkeit nach sich. Doch sie kann auch sehr kurzlebig sein. In ihrem Buch "Selbstmanagement im Kunstmarkt" beschreibt die Autorin die Mechanismen von Markt und Marketing, um zu einem professionellen Auftritt als Künstlerunternehmer zu motivieren.

Kathrein Weinhold hat kein Karrierekochbuch mit Blitzrezepten für den schnellen Aufstieg geschrieben. Das ist bereits am Umfang von mehr als 300 Seiten ablesbar, von denen knapp die Hälfte einer Hintergrundbetrachtung des Kunstmarkts mit seinen Akteuren, Mechanismen und Schauplätzen gewidmet ist. Hier wird die Basis gelegt und ein Selbstverständnis vermittelt, bei dem die (Selbst-)Inszenierung des Künstlers sehr stark in den Vordergrund tritt. "Qualität ist dabei schon lange nicht mehr das Kriterium für den Erfolg", räumt die Galeristin ein. Und: "Diese Kunst wird auf jeden Fall vergänglicher." Als neuen Kunstmarkt bezeichnet sie den Marktplatz, auf dem Stars gepuscht werden und die Aufmerksamkeit den Preis bestimmt.

"Das Starsystem ist eine extreme Erscheinung des 21. Jahrhunderts", erläutert Kathrein Weinhold. Doch auch der "alte Kunstmarkt" ist nicht ausgestorben. "Es gibt nach wie vor Galerien, die versuchen, mit leiseren Tönen die Künstler in den Markt zu bringen." Zu ihnen zählt die Kunstvermittlerin auch ihre eigen Galerie Storkower Bogen in Berlin. "Für den Künstler ist es eine Typentscheidung: Möchte ich wie Jonathan Meese ins Rampenlicht?" Doch auch wenn er den zurückgezogeneren Weg wählt, rät Kathrein Weinhold jedem Künstler, am Kunstleben seiner Region und seines Umfeldes teilzunehmen – jeweils orientiert an seinen langfristigen Zielen.

Den Kult-Künstler Jonathan Meese stellt die Autorin exemplarisch für die neue Stargeneration in ihrem Buch vor. Sie erläutert, wie er die Aufmerksamkeit geweckt hat und wie er sie durch immer neue Veränderungen wach hält. Ein wichtiger Bezugspunkt ist für die Autorin dabei das Buch "Ökonomie der Aufmerksamkeit" von Georg Franck, dessen Thesen sie auf den Kunstmarkt überträgt.

Wenn es im zweiten Teil des Buches um das praktizierte Selbstmanagement geht, bleibt der Starkult Messlatte und Orientierung. Vom Künstler wird erwartet, dass er in verschiedene Rollen schlüpft: "Die Rolle des Künstlers und seine Kreativität ist gefragt, wenn es um die künstlerische Arbeit geht, aber die Rolle des Unternehmers ist primär gefordert, wenn die Kunst in die Öffentlichkeit soll, um Aufmerksamkeit, gesellschaftliche Anerkennung und Kaufkraft ihrer Bezugsgruppen zu vereinnahmen." Kathrein Weinhold beschreibt die Zutaten für einen individuellen Marketing-Mix. Der Künstler selbst muss jedoch auswählen, was er für sich umsetzen möchte, wie er die einzelnen Bausteine seiner Öffentlichkeitsarbeit gewichtet. Letztlich, so die Überzeugung der Künstlerberaterin, gibt es kein fertiges Rezept für die Karriere. Kunst braucht Individualität. Doch die eigene Erfolgsstrategie kommt nicht aus ohne das Wissen um die Marktgesetze und die Mittel von Vermarktung und Inszenierung. Diese Grundlagen legt Kathrein Weinhold mit ihrem Buch und ergänzt sie ambitioniert mit vielen praktischen Tipps, Adressen und Handwerkszeug für den Berufsalltag.

Und wie sehen ihre eigenen Pläne für die Zukunft aus? "Mein neues Galerieprogramm präsentiert Künstler als Seismographen und Katalysatoren der Gesellschaft, welche den Blickwinkel des 21. Jahrhunderts erweitern und Szenarien mit ihren individuellen künstlerischen Mitteln entwickeln. Es geht dabei um das Nachfragen, Vordenken, Zukunft visionieren." Außerdem hat sie bereits eine neue Buchidee im Kopf. Doch dazu möchte sie sich erst äußern, wenn die Zeit dafür reif ist.

"Selbstmanagement im Kunstbetrieb" von Kathrein Weinhold ist als "Handbuch für Kunstschaffende" im transcript Verlag Bielefeld erschienen und kostet 25,80 Euro (ISBN 3-89942-144-2). Eine Selbstdarstellung der Galeristin, Dozentin und Autorin, die auch als Coach Künstler betreut, bietet die neue Website www.kathrein-weinhold.de. Nächster Seminartermin für Künstler/innen ist am 12. und 13. November im Frauenmuseum, Bonn. Auskunft unter Telefon 030/97 60 74 11.

Ein Jahr lang arbeitete Kathrein Weinhold an ihrem Buch. Um ihr Ziel zu erreichen, engagierte sie für diese Zeit eine feste Assistentin in ihrer Galerie und bewies so Gespür und Planung für die eigene Karriere.

Rund 200 Teilnehmer besuchen jährlich die Seminare zu "Kunstmanagement – Kompetenz im Kunstmarkt", die Kathrein Weinhold in Berlin und anderen großen Städten anbietet.




Junge Kunst (Nr. 64, 10-12/05)

Irgendwann muss auch verkauft werden

Interview: Astrid Kehsler

"Ich helfe Künstlern dabei, etwas zu bewegen", ist das Motto von Kathrein Weinhold. Seit 1999 bietet sie dazu Seminare an. Im Gespräch gibt sie Auskunft über die Herausforderungen des Künstlertums.

Frau Weinhold, Sie kennen viele Künstler von Ihren Seminaren. Was würden Sie sagen, fehlt bei deren Selbstmanagement am meisten?

Ein klarer Plan mit Zielen. Viele Künstler wissen, dass sie Kunst machen wollen. Aber sie stellen sich kein konkretes Ziel, etwa: In zehn Jahren will ich von meiner Kunst leben. Ohne ein solches Ziel lassen sich aber auch keine Teilziele definieren.

Ihr Buch ist sehr anspruchsvoll, wenn es um die Schritte zur Verwirklichung einer Künstlerkarriere geht. Jede Menge Marketing, eigene Website, möglichst noch ein Newsletter. Ist das realistisch?

Ich will Mut machen, nach den Sternen zu greifen: Wenn ich als Künstler einzelne Fähigkeiten nicht habe, die für das Selbstmarketing wichtig sind, kann ich Leute aus meinem Bekanntenkreis ansprechen oder mir das Wissen über Seminare holen. Das Buch zeigt aber tatsächlich auf, dass ein Künstler sehr viel können muss, wenn er marktfähig sein will.

Wie reagieren die Künstler auf Ihre Forderungen?

Manche sagen: Wir haben dann viel zu wenig Zeit für die Kunst. Aber ihr Atelier wird immer voller - irgendwann muss auch verkauft werden.

Führen diese Überlegungen nicht zwangsläufig zum Ziel, eine Galerie für sich zu finden?

Wenn man das Arbeitspensum betrachtet, führt der Weg zumindest in der Spitzengruppe meist zu einer Galerie. Es gibt aber auch erfolgreiche Künstler wie Stefan Szczesny mit seiner Factory oder Elvira Bach, die parallel zum Galerienmarkt eine sehr gute Selbstvermarktung betreiben.

Nicht jeder Künstler hat das Potential, in die Spitzengruppe aufzusteigen. Wer mit seiner Kunst eher im Mittelfeld liegt, setzt oft auf Selbstvermarktung, um den gesamten Verkaufserlös eines Werkes einstreichen zu können. Wie bewerten sie diese Position?

Der Kunstmarkt ist so strukturiert, dass es eigentlich kein Mittelfeld gibt. Nur zwei bis drei Prozent der Künstler können gut von ihrer Kunst leben. Doch vielleicht trägt mein Buch dazu bei, mehr Künstler ins Mittelfeld zu bringen.

Wie würde Sie die Künstler charakterisieren, die es geschafft haben und erfolgreich sind?

Sie haben einen ganz starken Willen, arbeiten an sich selbst und besitzen ein unglaubliches Durchhaltevermögen. Außerdem begreifen sie sich als Unternehmer und sind bereit, neue Wege zu gehen.




Märkische Allgemeine 04.03.2004

Überleben in der Welt der Kunst

Galeristin gibt Management-Nachhilfe

Von Arno Neumann

Zu wenig Wand für zu viele Bilder ist Alltag in Galerien. Zu wenig Stühle für zu viele Besucher hingegen ist nicht alltäglich in Kunstgalerien. Genau das aber ist das Problem, mit dem sich die junge Galeristin Kathrein Weinhold in ihrer Berliner Galerie im Storkower Bogen oft herumzuschlagen hat. Als die frisch examinierte Kunstwissenschaftlerin und Germanistin Weinhold 1997 die Idee hatte, in dem am S-Bahnhof Storkower Straße hingesetzten Hochhaus Cluster eine eigene Galerie einzurichten, schien das Scheitern vorprogrammiert. Allein die Galerie zu finden, war ein kleines Abenteuer.Und nichts an der Gegend lässt Kunst vermuten. Dennoch war die Eigentümerin, die Münchner Immobilienfirma Jost Hurler, von dem Vorhaben angetan und signalisierte Unterstützung. Erhöhe ein bisschen exquisite Kunst doch die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes, so die Überlegung.

Und genau diese Mischung von Kunst und Wirtschaft hat Weinhold auch zum Markenzeichen ihrer Arbeit in der Galerie gemacht. Nicht nur Kunst, auch Seminare zum Kunstmanagement bietet sie mit Erfolg an. Künstler seien weitgehend hilflos in der Vermarktung ihrer Kunst. Den Kunstmarkt transparent zu machen, Spielregeln zu durchschauen, Strategien in der Arbeit mit Galerien aufzuzeigen, ist Anliegen von Kathrein Weinhold. Die meisten Defizite, sagt sie, gebe es bei Vertragsabschlüssen.

Ein Seminarwochenende reicht kaum aus, um all die Probleme zu klären, die Künstler in ihrer Existenzsicherung bedrängen. Die wenigsten können von der Kunst allein leben: Ein Drittel der Zeit "Brötchen verdienen", ein weiteres Drittel zum Vermarkten der eigenen Kunst, das gilt als grobe Faustregel. So dass nur ein Drittel fürs Kunstmachen übrig bleibt – vorausgesetzt, es gibt überhaupt die Chance, Brötchen zu verdienen.

Die engagierte Galeristin bietet mehr als nur Kunstmanagement. In den weitläufigen Räumen präsentiert sie Malerei, Grafik, Skulptur und Fotografie. Ebenso osteuropäische gegenständliche Kunst, auch viel Deutsches, mit Schwerpunkt auf den neuen Bundesländern.

Meist sind es junge Künstler, die gezeigt werden. Die Ausstellungszeiträume sind relativ kurz bemessen. Jeweils zur Monatshälfte wird gewechselt. Anfang Februar zeigte der 1968 geborene, in Chemnitz lebende Russe Jaroslav Kourbanov seine Gemälde mit sibyllinisch anmutenden Frauen in klassischer Körperhaltung – leicht unterkühlter Realismus mit metaphysischen Tendenzen. Mit ganz anderem, vehement malerischen Temperament füllt noch bis zum 14. März der Berliner Günter Böhme die weitläufigen Galerieräume. Der Betrachter kann verfolgen, wie einer von der betont figurativen Komposition zur Abstraktion gelangt, ohne den inhaltlichen Anspruch seiner Malerei aufzugeben. Böhme ein Leben lang in der künstlerischen Unterweisung tätig, gelingt es, intellektuellen Anspruch im Vergnügen an künstlerisch komprimierter Form zu vermitteln.

Gegenständliche Kunst, so vermittelt ein Lokalaugenschein in der Galerie Weinhold, ist wieder im Kommen. Die Galerie hat Zukunft.




Junge Kunst (Nr. 59, 07-09/04)

Alles nur graue Theorie?

Auch Recht und Betriebswirtschaft sind wichtige Faktoren eines erfolgreichen Künstlerlebens.

Wer mit dem Gedanken spielt, sich als Künstler selbstständig zu machen oder aber seine Vermarktung zu überarbeiten, wer sich aus klassischen "Fallen" befreien möchte, der sollte sich entsprechend fortbilden. Anne Katharina Knieß sprach für JUNGE KUNST mit einigen Anbietern.

Kaum einer mag oder kann es sich leisten, wie Spitzwegs einsamer Poet der künstlerischen Freiheit wegen zu darben, fernab der gesellschaftlichen Realität zu leben. Doch noch immer ist dieses Selbstbild nicht nur bei Autodidakten, sondern sogar in der akademischen Ausbildung internalisiert; welche Kunst-Akademie bereitet die Studenten umfassend auf den Berufsalltag vor? Wer zeigt Chancen und Risiken der Vermarktung auf? Geradezu erwartungsgemäß reagierten wenigstens die Akademien von Düsseldorf, Frankfurt/Main, Münster, Saarbrücken und München auf eine aktuelle Anfrage nach ihrem entsprechenden Angebot: sie antworteten erst gar nicht.

Nun führen romantische Welt-Verweigerung und überhöhte Selbstwahrnehmung aber ebenso wenig zum Erfolg wie der Zufall. Dabei ist kaum einer ein Marketing-Naturtalent wie etwa Sabine Endres, die kürzlich in der "Süddeutschen Zeitung" (27./28. März 2004) porträtiert wurde: Die gelernte Groß- und Einzelhandelskauffrau und Friseurin stellte zunächst in ihrem Laden sie ihre Bilder aus und lebt mittlerweile von der Kunst. Entscheidend für ihren Erfolg waren "Fleiß, Mut und Begeisterung" sowie ein klarer Blick auf das Kaufmännische und damit auf den Endkunden, dem es manchmal einfach darum gehe, "die Nachbarn mit einem Original über dem Sofa zu beeindrucken".

Eigen-Marketing kann man lernen

Nun ist nicht jede Künstlerin, ist nicht jeder Künstler ein Kaufmann wie Endres - vieles aber lässt sich lernen. Einen Trost halten die Fortbildungs-Angebote also parat: verschiedene Institutionen bieten seriöse Maßnahmen in den Bereichen Marketing, Pressearbeit, Selbst- und Werkpräsentation zu vergleichsweise günstigen Preisen an. Ein Blick auf nüchterne Zahlen lassen die Notwendigkeit erkennen, sich entsprechende Fertigkeiten anzueignen: Der Deutsche Kulturrat kam zu dem Ergebnis, dass von den geschätzten 42.000 professionellen Künstlern in Deutschland nur ca. 15% von der eigenen Kunst leben können; andere Quellen führen aus, dass hiervon maximal 1% Künstlerinnen sind.

Die Münchner Malerin und Computer-Künstlerin Alexandra Königsmann, die 1999 und 2000 ein dreiteiliges Professionalisierungs-Seminar der Gewerkschaft ver.di besuchte, hofft, nach langjähriger Arbeit als Fernseh-Cutterin und Video-Designerin, in naher Zukunft zu denen zu gehören, die ausschließlich mit der Kunst ihren Lebensunterhalt verdienen: "Professionalisierung bedeutet auch, sich dem Markt zu stellen". Wenn es für viele ihrer Kollegen beim Besuch eines Kurses nicht einfach ist, Marktstrategien und sich selbst aus der Distanz zu betrachten, um sich schließlich von den eigenen Arbeiten zu trennen, meint sie, dass sich, "wer wirklich in sich entwickelt ist", sich nicht von Marktstrategien entwickeln und verändern lasse: "Ich tue, was mir gut tut."

Mit das Wichtigste war für sie, "dass ich lernen musste, mich bezüglich meiner Kunst und mir selber auszudrücken und zu definieren." Gelernt wurde anhand eines kurzen Diavortrags; mit Fotos wurde die persönliche künstlerische Arbeit vorgestellt, die Übungen sollten zu sprachlicher Sicherheit und Routine bei der Präsentation der eigenen Arbeiten führen. Am hilfreichsten war dabei die Gruppenarbeit, denn "an der Resonanz habe ich gesehen, was und wie es ankommt".

Vor allem Kontakte helfen

"Ziel erreicht", könnten sich die drei Dozentinnen bei all dem Lob denken. Und in der Tat sind damit die wesentlichen Lerngebiete und -ziele: "Grundlagen der Präsentation/Ausstellungspraxis", "Textgestaltung/Pressearbeit" und "Selbstpräsentation/Rhetorik" der drei zweitägigen Workshops wohl bestens umgesetzt. Sicherlich spielt dabei auch eine Rolle, dass sie alle sich im Kunstbereich bestens auskennen - Traude Linhardt als Künstlerin, Pia Lanzinger als Künstlerin und Autorin sowie die Kunsthistorikerin Susanne Prinz als langjährige Galerie-Leiterin. Auch im kürzeren, eintägigen Theorie-Seminar "Grundlagen zur Präsentation von Künstlerinnen in der Öffentlichkeit" werden Themen wie Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf, Mappe, Fotomaterial), Öffentlichkeitsarbeit, Textgestaltung, Ausschreibungen, Ausstellungen und juristische Informationen behandelt.

Warum aber entwickelte Traude Linhardt vor nunmehr zehn Jahren diese Fortbildungs-Veranstaltungen? Zunächst einmal, erzählt sie, waren es Veranstaltungen im Rahmen des Josephine-Beuys-Forums, einem Zusammenschluss von Künstlerinnen. Diese sollten lernen, sich gegenüber Männern besser zu positionieren. Durch eine immer engere Zusammenarbeit mit der Akademie erweiterte sich der Kreis, es kamen auch männliche Teilnehmer. Das Ende der Zusammenarbeit mit der Akademie wurde dann recht lakonisch eingeleitet: von der Hochschule kam das Statement, dass die "Studenten gut versorgt sind, die brauchen solche Seminare nicht mehr". Schon vorher konnte ver.di Fachbereich Bildende Kunst interessiert werden, die eine Fortführung der Seminare und Workshops ermöglichten. Als sie versuchte, die Kurse mit Hilfe von ver.di auch an der Nürnberger Akademie anzubieten, scheiterte das Engagement - schade, aber geradezu symptomatisch war das, zeige auf, dsas es Künstlern nicht immer leicht falle, auch nur einen kleineren Betrag in ihre Fortbildung zu stecken.

Klares Selbstbild verhilft zu Erfolg

Dabei ist "unser besonderes Anliegen: ,Wie vermittle ich mich am besten?’" Das bedeutet nicht, sich zu "verkaufen", sich nicht fassbaren Marktanforderungen zu beugen. Vielmehr fangen die Dozentinnen erst einmal damit an, den Stand des Künstlers in der Gesellschaft zu definieren - und den Teilnehmern ein positives, konstruktives Selbstbild zu vermitteln: "Teils haben auch arrivierte Künstler ein Problem damit, sich als Teil der Gesellschaft zu sehen. Dabei ist das Künstlersein ein echter Beruf!" Nur dann, wenn ein Künstler voll im Leben stehe, sich mit der Kunstszene auseinandersetze, Kontakte suche und pflege, sich umfassend informiere, könne er erfolgreich sein.

Zum Handwerkszeug gehört damit entsprechend auch die Zusammenarbeit und das Verhandeln mit Organisationen ,Galerien, Museen und Berufsverbänden. Aber auch juristisches Vertrags-Wissen. "Unsere Seminar sind das Startkapital, ein Startschuss für Künstler", sieht Linhardt ihr Ziel. Auch in Zukunft bleibt ver.di Partnerin der Fortbildung - darüber hinaus engagiert sich die Gewerkschaft wie nur wenige andere große Institutionen mit ihrem "IMK - Institut für Bildung, Medien und Kunst" für die Belange der Künstler.

Angebote richten sich an alle Künstler

Mit dem Berliner BBK Bildungswerk hat sich die berufsständische Vertretung der Künstler ein hervorragendes Professionalisierungs-Forum gegeben. Es setzt sich seit 1997 mit regelmäßig erscheinenden Programmen für die Qualifizierung und Weiterbildung von Künstlern ein, denn insbesondere der nichtkünstlerische Teil der Tätigkeiten komme "bislang an den Kunsthochschulen zu kurz": In ihm geht es nicht nur, aber zentral um die Existenz des Künstlers als Unternehmer.

Das Bildungswerk möchte so erreichen, dass wirtschaftliche Freiräume für das Kunstproduzieren überhaupt geschaffen werden; in der Schulung - grundsätzlich durch Praxis-erfahrene Dozenten - von Marketing und Kommunikationsstrategien für Bildende Künstler sieht die Institution, wie die für die Seminare zuständige Dr. Claudia Brauers klar stellt, "keinen Widerspruch zur Entwicklung künstlerischer Authentizität, zumal wir den Begriff ,Erfolg’ ohnehin als relationalen, individuellen verstehen".

Den Mehr-Wert der eigenen Kunst kann man erkennen erlernen

In Düsseldorf läuft seit einigen Jahren erfolgreich "Neue Wege künstlerischer Existenz", ein Kooperationsprojekt vom Kulturamt der Stadt Düsseldorf, der Volkshochschule und der Regionalstelle Frau & Beruf. Das Kulturamt erstellte 1999 eine Untersuchung "Frauenpräsenz in Ausstellungen Düsseldorfer Kunstinstitutionen", die zu dem - wenig überraschenden - Ergebnis kam, dass Frauen hier nicht nur unterrepräsentiert, sondern auch unterbezahlt seien.

Weil zudem der Erfolg eines Kunstwerkes auf dem Markt neben der eigentlichen Qualität eines Bildes oder einer Skulptur maßgeblich von der Fähigkeit abhängt, sich selbst und das eigene Produkt als überzeugende Einheit zu präsentieren, wird diese Lage geschlechtsspezifisch erschwert: Im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen fehlen Künstlerinnen nicht nur weitgehend Vorbilder in dieser Richtung, sondern Formen der Selbstinszenierung sind bisweilen sogar schwierig bis tabuisiert. Das rührige Amt entschloss sich daraufhin, den Betroffenen unter die Arme zu greifen.

Organisiert und moderiert wird die Veranstaltung von der Kulturhistorikerin und -journalistin Jutta Saum. Sechs über ein Jahr verteilte Wochenend-Workshops gehen "von der Frage nach dem eigenen Selbstverständnis als Künstlerin" aus. Theaterpädagogische, kunsttherapeutische und kunsthistorische Unterstützung bekommen die Teilnehmerinnen, "Image, Mythos und Eigenbild - Philosophische Konzepte künstlerischer Identität" wird gefolgt von Standortbestimmung, "Auftretenstraining, Präsentationsstrategien (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Internet) sowie "Netzwerke - Infopool". Auch Claus C. Schmickler unterrichtet in Düsseldorf. Er kann es kaum fassen, dass frauenspezifische Veranstaltungen wie "Neue Wege künstlerischer Existenz" noch notwendig seien und ist entsprechend überrascht, wie erfolgreich sie sind.

Künstler sein ist ein Beruf

Sein Thema sind die "Betriebswirtschaftlichen Grundlagen zur Existenzsicherung, Verbesserung der Marktchancen und Steigerung der kommerziellen Kompetenz bildender Künstler/innen", Seminare, die deutschlandweit auf Einladung verschiedener Künstler-Organisationen statt finden. Schmickler ist es wichtig, die Künstler aus dem Elfenbeinturm herauszulocken; erstaunlich sei es, wie geradezu ahnungslos manche Künstler wirtschafteten - dabei gebe es in Deutschland doch "keine Berufsgruppe, die so gepampert ist wie die Künstler". Und wundert sich entsprechend, dass manchem die Kosten von 85 Euro für das Wochenend-Seminar geradezu "happig" erscheint.

Für Branchenfremde ist dieser Preis ungewöhnlich niedrig; doch auch Petra Bach, die mit ihrem "artculturemanagement" ab Herbst 2004 Kurse durchführt, weiß, dass die Preise für ein Wochenendseminar zwischen 90 bis 100 Euro bewegen müssen. "Kulturmanagement für Kunststudenten und Künstler aus dem Bereich der bildenden Kunst - Der Weg zum freischaffenden Künstler" führt in wesentliche Kunstmarkt-Themen ein und bringt mit der Erarbeitung etwa von Checklisten direkten Nutzwert. Ihre praktischen Erfahrungen bringen es mit sich, dass die Ex-Galeristin ("Kunstbüro", Düsseldorf) und Kulturmanagerin Bach "beide Seiten sowohl die eines Unternehmers, eines Galeristen als auch die Seite des Künstlers", gut kennt.

Wie Bach ist auch Kathrein Weinhold eine Erfahrungs- und Überzeugungs-Täterin: Nicht nur, dass die studierte Kunst-Lehrerin in Berlin ihre "Galerie Storkower Bogen" (gegründet 1997) erfolgreich aufbaute, sie bietet darüber hinaus seit 1999 Professionalisierungs-Seminare "Kunstmanagement - Kompetenz im Bereich ,Kunstmarkt’ und ,Selbstmarketing’" an, die sie für Bildende Künstler, Kunststudenten, Kunstwissenschaftler, (zukünftige) Kunstvermittler und Kunstinteressierte bundesweit an Kunstorten (Galerien, Museen) durchführt. Kürzlich beauftragte sie zudem der Bielefelder transcript Verlag, ein Buch über Kulturmanagement zu schreiben, in welchem sie "fundierte Branchenkenntnisse und das Wissen um Potentiale verschiedener Handlungsstrategien" aufzeigt, es erscheint in diesem Sommer.

Das kommt ihr sehr entgegen, schließlich, "kann ich ja nur für einen kleinen Teil der Künstler, die sich bei mir bewerben, etwas tun. Als Galeristin habe ich begrenzte Möglichkeiten. Für alle anderen kann ich aber durch die Seminare und mein Buch zumindest Wissen sammeln und es aufbereiten, so dass es chancenfördernd für den Einzelnen wirken kann." Außerdem "möchte ich auch gegen die deutsche Mentalität des Jammerns ein Zeichen setzen und Mut machen, den Menschen zeigen, dass Ärmel hochkrempeln Spaß machen und funktionieren kann."

Weinhold benennt wie kaum ein anderer Fortbilder, was so eigen ist am Kunstmarkt: "Alles." Es handele sich hier um eine Branche mit hoher Intransparenz, "Kunstmarkt funktioniert nicht so wie andere Märkte" (was ja auch Petra Bach unterstreicht, die "reinen" Betriebswirten und Unternehmensberatern kaum eine Chance einräumt, sinnvolle Fortbildung auf diesem Gebiet zu betreiben; die meisten würden entsprechend schnell wieder die Segel streichen). Außerdem sei das Wissen schwer zugänglich - "genauso wie die Kunst ein elitäres Gut ist, scheint das Wissen mehr oder weniger elitär gehalten zu werden. Dies hat dann wiederum mit Machtausübung und Machterhaltung zu tun", reflektiert Kathrein Weinhold.

Die geeignete Strategie für Künstler sei also die Stärkung des Selbstbewusstseins: "Ich arbeite nach der Maxime: ,Was nichts kostet, ist nichts wert.’ Vieles in der Gesellschaft funktioniert nach diesem banalen Schema. Ein Künstler wird von einem Unternehmen oder einem anderen Partner anders bewertet und behandelt, wenn er seine Leistung nicht für Null oder mit Unkosten zu seinen Lasten offeriert."




Die Welt 19.06.2004

Seminare

Insiderwissen für Künstler

Was muss ich tun, um langfristig von meiner künstlerischen Berufung leben zu können? Wie kann ich meine Existenz bis dahin sichern? Wie sollte meine Selbstvermarktung aussehen? In Kompaktseminaren vermittelt Kathrein Weinhold, Galeristin in Berlin und Künstlerberaterin, praktisches Insiderwissen und fachlich fundierte Kenntnisse für Künstler, die mehr über den Kunstmarkt wissen möchten. Die Seminare finden in Berlin, Stuttgart, Köln und Kassel statt. Infos zu den Terminen unter Tel. 030/97607411.




Allegra Women & Work 01/ 2001

Auf Chef studieren... oder einfach loslegen?

Studiengänge für Existenzgründung sind schwer in Mode gekommen an deutschen Unis. Aber läuft der Laden mit mehreren Semestern im Rücken wirklich besser?
Kleine Anfrage an zwei Junggaleristinnen - die eine mit, die andere ohne

Von Nicole Maibaum

...

Weg 2: Learning by doing
Kathrein Weinhold, 28, Galeristin in Berlin
Wollte eigentlich Lehrerin werden, machte dann aber vor über drei Jahren die Galerie Storkower Bogen (250 Quadratmeter) auf. Nebenbei gibt sie Kunstmanagementseminare.

W&W: Wie war das: Sollten Sie nicht vor einer Schulklasse stehen?
Stimmt. Eigentlich war das von mir mal so angedacht. Deswegen auch das Lehramtsstudium. Bildende Kunst und Germanistik waren meine beiden Schwerpunktfächer. Und natürlich gehörten dazu auch diverse Praktika in Schulen.

W&W: Scheint Ihnen ja nicht sonderlich gefallen zu haben. Oder warum haben Sie auf den Beruf der Galeristin umgesattelt?
Kunst war schon immer meine Leidenschaft. Ich habe während des Studiums selbst gemalt und meine Bilder in Galerien ausgestellt. Einige habe ich auch verkauft.

W&W: Trotzdem mutig, dann einfach eine eigene Galerie zu eröffnen.
Ganz so einfach war es ja auch nicht. Ich musste etliche Konzepte schreiben, um zum Beispiel ein Sponsoring zu bekommen. Und am Anfang standen nicht einmal ein Stuhl oder ein Tisch in meiner Galerie.

W&W: Heute läuft Ihre Galerie. Was macht Sie als Geschäftsfrau so erfolgreich?
Ich bin ein lebensbejahender Typ, mit großem Optimismus, viel Organisationsgeschick und dem Gespür für Kunst. Ich arbeite sehr emotional. Wenn ich mich in ein Bild verliebe, dann Hals über Kopf. Ich versuche, andere mitzureißen, und meist gelingt es mir, sie zu begeistern.

W&W: Und wie sieht es mit Dingen wie Steuern, Marketingstrategien oder Finanzierungskonzepten aus?
Ich habe mir sehr viel Wissen über Existenzgründung angelesen, zum Beispiel über erfolgreiches Marketing. Ich nenne das meine Selbststudienphasen, die nie abgeschlossen sein werden. Ansonsten habe ich aber vor allem viele Freunde, darunter andere Galeristen und Existenzgründer im Kulturbereich, die ich fragen kann. Auch das finde ich sehr wichtig - nicht als Konkurrentin zu denken. Ich kenne das Geschäft als Künstlerin, aber auch als Galeristin. Beide Seiten gehören zusammen. Für die Steuer habe ich einen Steuerberater.

W&W: Wäre ein gezieltes Studium nicht sinnvoller gewesen?
Nein. Auf keinen Fall. Die Leidenschaft zählt. Ist die nicht da, nützt auch kein theoretisches Wissen.

W&W: Könnten Sie sich vorstellen, als Angestellte zu arbeiten?
Nein, ich liebe meine Freiheit. Natürlich hat auch alles seine Schattenseiten. Ich habe beispielsweise kein festes Gehalt.

W&W: Apropos Gehalt: Wie sieht es denn damit aus?
Nun, die Zahlen werden bei mir immer schwärzer. Der Bundesverband der Galeristen gibt ein jährliches Durchschnittseinkommen von 64 000 Mark an. Vielleicht wird es ja irgendwann einmal mehr.




Münchner Merkur 07.11.2000

Management für Künstler

Kunsthochschulen helfen bei der Findung des künstlerischen Ausdrucks. Um sich als Künstler am Markt behaupten zu können, braucht der Kunstschaffende aber vor allem differenzierte Kenntnisse der Gesetzmäßigkeiten des Kunstmarkts. Da Hochschulen wegen knapper Mittel beim Selbstmanagement vielfach nur begrenzte Hilfestellung leisten können, bietet die Galerie Storkower Bogen in Berlin ein bundesweites Seminar "Kunstmanagement". Referentin Kathrein Weinhold geht bei der zweitägigen Veranstaltung einerseits auf theoretische Frragen ein wie den Spielregeln, die der Künstler im Umgang mit kommerziellen Galerien kennen muss, oder wie sich Preise und Qualität auf dem Kunstmarkt definieren. Andererseits werden praxisnahe Tipps etwa zu Vertragsgestaltungen, Wettbewerben oder dem Sponsoring gegeben. Infos gibt es unter Tel. 030/ 97607411.




Berliner Morgenpost 05.12.2000

Mut zur Lücke

Keine Angst vorm Geld: Wie Kathrein Weinhold die Allianz von Kunst und Wirtschaft gelingt

Von Andrea Hilgenstock

Es klingt fast wie im Märchen: Eine junge Kunststudentin fährt auf dem Weg zu ihrem Atelier jeden Tag an einer großen Baustelle vorbei. Ihr Blick bleibt an einem Schild hängen, auf dem sie liest, dass hier das Büro-, Handels- und Dienstleistungszentrum Storkower Bogen entsteht. Und da kommt ihr plötzlich eine Idee: In einem Brief schlägt die angehende Lehrerin dem Münchner Bauherrn vor, auch der Kunst an diesem Ort des kühlen Kalküls einen Platz einzuräumen. Und prompt landet Kathrein Weinhold einen Volltreffer. Der Bauherr setzt sich mit ihr in Verbindung, und drei Monate später eröffnet die couragierte junge Frau ihre eigene Galerie. Mitten im kulturellen Brachland zwischen Drogeriemarkt, Unternehmensberatung und CDU-Kreisverband Lichtenberg schafft sie Raum für Kunst. Das Malen hat sie inzwischen aufgegeben zu Gunsten der professionellen Galeriearbeit. ... Mit sicherem Auftreten, viel Energie und Enthusiasmus tritt die 28-jährige Sächsin heute für andere Künstler ein. Spezialisiert hat sie sich auf die Künstler Osteuropas. Diese stellen nicht nur in ihrer Galerie aus, wie zurzeit in der Schau "Kosmopolit", sondern werden von ihr auch an Bauherren vermittelt. So entwarf Stammkünstler Vardkes Badaljan, ein in Berlin lebender Armenier, Wandgemälde für das Entree zweier Bürohäuser. "Ich versuche, Auftraggeber aufzuspüren und zu begeistern", berichtet die Vermittlerin, die sich schon immer für die Allianz von Kunst und Wirtschaft interessierte. Ja, sie weiß, dass Auftragskunst nie ganz frei sein kann, sondern sich auch auf die Wünsche des Geldgebers einlässt. Das sei zwar eine Gratwanderung, erscheint der pragmatischen Jungunternehmerin aber doch relativ unproblematisch. Ihre Kenntnisse gibt sie mittlerweile auch in Kunstmanagement-Seminaren weiter. In ihren Kursen vermittelt sie Künstlern, wie von der Vertragsgestaltung bis zur Projektfinanzierung die Zusammenarbeit mit einer Galerie aussehen kann. "Künstler müssen raus aus ihren Ateliers. Denn Bewegung erzeugt Bewegung. Persönliche Kontakte können einen voranbringen", findet die Galeristin, die sich selbst an diese Regel gehalten hat. So bekam sie die 250 Quadratmeter großen Räume zu günstigen Konditionen und zeigt dort auf eigene Kosten ihre Ausstellungen. ... Die Kraft, jeden Tag durchzupowern, schöpft sie aus ihren Erfolgen. Zehn Prozent der "Kosmopolit"-Schau konnte Kathrein Weinhold bereits verkaufen. Ein Ergebnis, mit dem sie zufrieden ist. Im Augenblick beschäftigt sie schon ihr nächstes Projekt. Unter dem Titel "Strömungen" möchte die muntere Macherin Künstler präsentieren, die rechts und links der Oder arbeiten. Dafür wird sie sich wieder auf Entdeckungsreise begeben.




Berliner Morgenpost 22.09.1999

Hallo, Nachbarn!

Von Ralf Nachtmann

Kathrein Weinhold (27) ist eine der jüngsten Galeristinnen Berlins. Als das Ensemble des Storkower Bogens eröffnet wurde, ergriff sie kurzerhand die Chance, sich einen Lebenstraum – die eigene Galerie zu erfüllen. Mittlerweile präsentiert sie bereits die vierte Ausstellung. Bis Oktober sind Werke junger Künstler aus Osteuropa zu sehen und zu kaufen.

Sternzeichen: Waage

Familienstand: ledig

Hobbies: Schwimmen, Tanzen, am Strand Muscheln und Steine sammeln

Sie sind Bürgermeister für einen Tag – was ändern Sie zuerst in Ihrem Bezirk?

Arbeitsplätze schaffen, die Häuser, das Umfeld und das Leben der Menschen mit Kunst ästhetischer und angenehmer machen...

Ihr Lieblings....

...essen: Spaghetti

...getränk: Tomatensaft

...musik: Gospel mit "The Berlin Star Singers"

...film: Evita

...fernsehsendung: keine, ich sehe fast nie fern

Welche drei Dinge nehmen Sie mit auf eine einsame Insel? Ein Boot, dazu Ruder und Segel, um schnell wieder heimzukommen

Ihr (Lebens-)Motto: Man muss die Dinge angehen!




Der Tagesspiegel 08.10.1997

Augenblicke

Die meisten neuen Galerien eröffnen dieser Tage in der Auguststraße, und mittlerweile sieht man schon die Straße an sich vor lauter Ausstellungsräumen nicht mehr. Für die Kunsthändler und -sammler mag das ja von großem Vorteil sein, für die kulturelle Infrastruktur der Stadt könnte der Zustand hingegen eher lähmend wirken. Um so erfreulicher ist es da, wenn es andere Galeristen noch wagen, ihren Standort außerhalb der Mitte zu suchen. Mit Blick auf den Storkower Bogen öffnete unlängst in Lichtenberg die Galerie gleichen Namens mit einer eindrucksvollen Schau junger Berliner Künstler und Künstlerinnen. Nach Benjamin und Adorno zeigen sie in ihren Arbeiten eines, nämlich "daß die Werke plötzlich ihre Augen aufschlagen".




BOGEN – Standortmagazin vom Storkower Bogen 01/1997

Kunst nahebringen

Eine Absolventin der Kunstwissenschaft gewinnt Künstler und Bauherren für eine Galerie im Storkower Bogen

Von Rainer Blankenburg

"Kunst soll ausgestellt und gesehen werden. Von möglichst vielen Menschen." Dieses Motto steht nicht etwa in den Tagebüchern von Kathrein Weinhold oder ihren Vorlesungsmitschriften. Sie vertritt es in Konzeptionen, mit denen sie Unternehmen den Einsatz von Kunst professionell anzubieten sucht, wo jene an ihrem Standort besser Fuß fassen wollen. Die junge Absolventin der Humboldt-Universität und der Hochschule der Künste malt selbst. Ihre eigentliche Antriebskraft ist aber mit einem zweiten Motto besser zu fassen: "Kommunikation ist das Herstellen von Gemeinsamkeit." Dieses Ziel verfolgt sie in ihrer gerade eröffneten Galerie im Storkower Bogen mit großem Mut und entsprechendem Glück. Denn wo selbst die Kommunalpolitiker kulturelles Brachland eingestehen und Kultur lediglich als Hoffnungsanker der Belebung öffentlicher Bereiche im industriell gebauten Wohngebiet anrufen, da handelt sie - trotz aller Schwierigkeiten. Mit der Eröffnungsausstellung "Augenblicke" ist es ihr nicht nur gelungen, Unterstützung zu finden, um binnen 10 Tagen aus einem Rohbau eine Galerie zu machen. Sie hat auch Berliner und Brandenburger Künstler für die Mitarbeit an einer aufwendigen Ausstellung gewonnen, die die Kunst der jüngeren Generation (bis 40) anspruchsvoll und zugleich faßlich für Nichtspezialisten repräsentiert. Wie der Kunstwissenschaftler Prof. Olav Münzberg in seiner Eröffnungslaudatio deutlich machte, sind hier bereits Kunsttendenzen jenseits der alten Ost-West-Wahrnehmungsmuster von Realismus und Ästhetizismus ablesbar. So hinterfragt der Künstler Bertold Bartsch zum Beispiel in seinem Bild "Die Konstruktion des Verfalls" die europäischen Normen der Zivilisation. Er mahnt die Besinnung auf kulturelle Wurzeln gegen wachsenden Identitätsverlust an. Die Ausstellung ermöglicht nicht nur Kommunikation und das Entdecken von Gemeinsamkeiten oder Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen den acht ehemals ost- und westdeutschen Künstlern. Annäherung zu gemeinsamem Handeln für die Entwicklung des Gebietes entsteht auch zwischen Bauherren, Behörden und Bewohnern - angefangen damit, daß die Galerie nach der Verlagerung des Literatur-Cafés Wolkenbügel (Prenzlauer Berg) und der demnächst folgenden des Theaters im Kino (Friedrichshain) die einzige Kultureinrichtung in einem Einzugsbereich von mindestens 60.000 Bewohnern dreier Stadtbezirke ist und dabei ohne öffentliche Zuschüsse arbeitet. Vor allem die Besucher aus dem Wohngebiet finden hier nach zögerlichem Hinauftasten in den 1. Stock eine eigens für sie geschaffene Kunst-Welt, die sie zu der gewohnten, außerhalb des Storkower Bogens, in neue Beziehung setzt: Über ihnen schweben Geister, die die Suche und Kontaktaufnahme zu den Kunstwerken erleichtern. Ein blonder Engel empfängt sie und gibt auf Wunsch Auskünfte über die Ausstellung, die Künstler und deren Schöpfungen. Diese haben die Zauberkraft, immer reichhaltiger und aussagekräftiger zu werden, je mehr Betrachtungszeit die Besucher ihnen widmen; und jene entdecken schließlich, daß ein abstraktes Bild gar nicht so abstrakt ist oder daß ein Papyrusboot durchaus auch aus Stahl sein kann. Währenddessen ist mit ihnen eine Verwandlung vor sich gegangen, die den Blick aus den Fenstern auf den Platz im Innern des Wohngebietszentrums oder über den früheren Zentralviehhof bis in die Nachbarbezirke weitet. Manches Mal hört man dann, wie die Besucher untereinander Ideen austauschen, was man an diesem Ort alles machen könnte. Dank der Galerie, Dank der Phantasie. Man kann!